In den Aufrufen und Kommentaren, die nach der Verhinderung der Aufführung von Claude Lanzmanns Film „Warum Israel“ veröffentlicht wurden, findet sich in verschiedenen Variationen der Hinweis auf dessen Film „Shoah“: „Wir halten es für unerträglich, […] dass ein Film von Claude Lanzmann, französischer Jude, Résistancekämpfer und Regisseur von ‚Shoah‘, der bedeutendsten Dokumentation über die Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden, in Deutschland zum Angriffsziel einer militanten Blockade werden kann“, beschwert sich etwa das Bündnis gegen Hamburger Unzumutbarkeiten;  „Bei ‚Warum Israel‘ handelt es sich um einen Film des in Frankreich lebenden Juden Lanzmann, der mit dem Monumentalwerk ‚Shoah‘ einen immens wichtigen Beitrag zur Erinnerung an die Opfer des Holocaust geleistet hat“, heißt es in einem Aufruf, den die Hamburger Veranstalter der verhinderten Filmaufführung unter anderem von Lanzmann selbst haben unterschreiben lassen.

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Die Junge Welt enthüllt: Otto Kernberg ist Psychoanalytiker und Menschenverächter

Der Antisemitismus wird weithin verstanden als der Hass auf die kalte Moderne, mithin als romantisches Gefühl, in dem die Juden als Feinde von Wärme und Empfindsamkeit imaginiert werden. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Denn ebenso gilt jenes Ressentiment der „jüdischen“ Behauptung vom Unbewussten, vom Irrationalen. Linke wie Noam Chomsky, Jean Bricmont oder Peter Decker, alle notorische Antizionisten, sind mit ihrem Glauben an den Fortschritt in der modernen Welt so tief identifiziert, dass sie gar nicht mehr auf den Gedanken kommen, dass es Irrationales an Staat, Kapital und Subjekt zu begreifen gäbe. Dass der gesellschaftliche Vollzug dennoch nach wie vor nicht so reibungslos und glatt vonstatten geht, wie es ihrem Modell kapitalistischer Vergesellschaftung entspricht, stößt ihnen darum immer wieder unangenehm auf. Mehr lesen »

Über den nicht enden wollenden Verrat der Linken (1) an der Freiheit der Iraner 1979–2009

„Was meinen Sie, geht es der Bahamas noch um Israel?“ So fragte anlässlich der Ankündigung der Veranstaltung „Die Freiheit, die wir meinen – Zum Verhältnis von Israelsolidarität und iranischer Protestbewegung“ altklug und scheinheilig ein Diskutant im Internet, der hier pars pro toto für all jene stehen mag, die einfach nicht verstehen können, wieso man denn jetzt schon wieder mit Maximalforderungen kommen muss, wo doch gerade soviel Tolles passiert, das man doch einfach nur „unterstützen“ sollte. Mehr lesen »

Das Schweigen vieler Linker zu den Protesten im Iran ist die Konsequenz aus ihrer Unterstützung der islamischen Revolution von 1979. Von Tjark Kunstreich

Die Jungle World- Disko-Tranche zum Iran begann mit der Beschwerde der »Autonomen Antifa (F)« über das Schweigen der antifaschistischen Linksradikalen zum Iran (Jungle World 28/2009); doch längst schon heckte man einen Aktionstag aus, der am 12. August auch stattfand. Die vorgetragene Klage war also keine, sondern ein Manöver zum Zwecke der Agitation. Die Behauptung aber, die Linke, die Antifa oder sonstwer schweige zum Iran und verweigere sich der Solidarität mit der Protestbewegung, zieht sich wie ein roter Faden durch die Beiträge.

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Offener Brief an den „BAK Shalom“


Sehr geehrte „Da_men“ und „Her_ren“,

in den achtziger Jahren nannte man es „Betroffenheit“ und es gab kaum jemanden, der nicht ständig wegen Nachrüstung, Waldsterben, Atomkraft, brutalen Polizisten oder aufgrund von Liebeskummer, Männern, Frauen und überhaupt „unheimlich betroffen“ gewesen wäre; allerdings machte sich eine Minderheit schon damals über dieses leicht nasal ausgesprochene und meistens mit einem „du“ verbundene Bekenntnis lustig. Ja, Punk in den achtziger Jahren, das war der Hass auf diese Masche, wie sie sich in Gestalt von Petra Kelly und den Grünen sich auf den Weg an die Macht begab. „Gewalt“ in all ihren eingebildeten und realen Formen löste „unheimliche Betroffenheit“ aus, und unheimlich war jenes Bekenntnis zur Ohnmacht, das diese Sprechvariante beinhaltete, tatsächlich. Mehr lesen »

Im Zweifel für das Individuum

Am 29.7.1979 verstarb Herbert Marcuse. Sein Denken ist der Kritischen Theorie näher, als vielen seiner Bewunderer lieb ist. Von Tjark Kunstreich

Mit der Geschichte hat es eine besondere Bewandtnis: Sie existiert im Realen nur als Fik­tion. Die beständige Gegenwart kennt Geschichte nur als Story, sie muss ihre Geschichtlichkeit zugleich leugnen und herbeireden. Die Geschichte als Geschichtsschreibung findet ihre Relevanz nur im Vergleich mit den Tatsachen der Wirklichkeit, wobei jeder beschriebene Unterschied nur die Bestätigung des immer Selben ist. So ist es möglich, das Denken Herbert Marcuses zu historisieren, das heißt, an die gesellschaftlichen Bedingungen seiner Entstehung zurückzubinden, oder ihm die eigene Geschichtlichkeit auszutreiben und im Diesseits seine Aktualität bzw. sein Veralten zu behaupten. Beides wird Marcuse, wird der Kritischen Theorie nicht gerecht, weil deren Ausgangspunkt der Widerspruch zwischen dem Vergehen der Zeit, das als Geschichte niedergeschrieben wird, und dem geschichtslosen Prozessieren des Tauschprinzips ist. Kritische Theorie leugnet weder das geschichtliche Gewordensein der Gegenwart und ihrer Subjekte noch deren Irrelevanz für die Aufrechterhaltung von Verhältnissen, die subjektlos erscheinen. Mehr lesen »

Um die – vorsichtig ausgedrückt – ambivalente Haltung der Linken zu den aktuellen Protesten im Iran zu verstehen, muss man wissen, dass sie die islamische Revolution 1978/79 unterstützten. An dieser Unterstützung änderte sich auch nichts, als in der Gründungsphase der Islamischen Republik Frauen unter den Tschador gezwungen, Homosexuelle ermordet und Linke verfolgt wurden – obwohl von diesen Verfolgungen berichtet wurde. Es waren vor allem so genannte undogmatische Linke, die in der islamischen (Konter-)Revolution die Chance für einen dritten Weg in der Blockkonfrontation des Kalten Krieges erblickten. Die europäischen linken Intellektuellen erkannten in den iranischen Vorgängen eine Revolution gegen die westliche Modernisierung – an der sich der Osten ebenfalls orientierte – und unterstützten sie eben deswegen.
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Zur plötzlichen Solidarität mit der iranischen Protestbewegung

Die Solidaritätsbekundungen von prominenten linken Intellektuellen, die in den letzten Tagen erschienen sind, kommen angesichts ihrer bislang weitgehend unkritischen Haltung gegenüber dem Regime der Islamischen Republik ziemlich überraschend und reichlich spät. Aufgefallen waren sie bislang eher dadurch, die Unterdrückung der Frauen und die Verfolgung von Homosexuellen mit kultursensiblem Schweigen zu übergehen. Doch plötzlich scheint sich die Projektion autoritärer Sehnsüchte auf die Verhältnisse im Iran, die keine geringe Bedeutung für deren Stabilisierung gehabt hat, in Luft aufgelöst zu haben; als wäre vorher nichts gewesen, unterstützen von Judith Butler bis Slavoj Zizek alle die Protestierenden auf der Straße. Die Solidarität, die ihnen zuteil wird, ist jedoch alles andere als bedingungslos. Mehr lesen »